Aus dem Leben einer Gassigeherin

Bei meinem gestrigen Spaziergang mit meinem Hund ist etwas passiert, das ich einfach teilen muss. Unnötig zu erwähnen, dass man mit einem Rottweiler an der Seite — völlig egal wie lieb, wohlerzogen und im Zen-Modus — grundsätzlich Probleme mit den Mitmenschen hat.

 

Ich könnte darüber ganze Bücher schreiben.

Mehrbändige Enzyklopädien.

Mit Stichwortverzeichnis.

 

Da wäre zum Beispiel:

  • der Opa samt Enkelin auf dem Rad, der uns entgegenkommt, wir extra aus dem Weg gehen (Parkanlagen sind für Fußgänger, nicht für Tour-de-France‑Rentner), und der Mann wirft mit einer Luftpumpe.
    Natürlich nicht nach mir — nein, selbstverständlich nach dem Hund.
    Dumm nur, dass Gegenstände manchmal eine eigene Flugbahn entwickeln.
    Boomerang-Effekt Deluxe.
    Treffer. Versenkt. Lachflash.
  • oder die junge Mutter mit Kinderwagen, Zigarette im Gesicht festgetackert, die uns sieht, kurz zuckt und dann ohne hinzuschauen in den Straßenverkehr kippt.
    Ein Traum.
    Unvergesslich.
  • oder der etwa 100-jährige Jogger, der eigentlich nur tapsi-tapsi vor sich hin wackelt, aber plötzlich zu olympischer Höchstform aufläuft, um mich anzuschreien, weil ich angeblich einen „Babyfressenden Rottweiler“ halte.
    Ja. Genau.
    Babyfressend.
    Mein persönlicher Favorit.

Wie gesagt: Bücher. Ich könnte wirklich Bücher füllen.

Zum Glück haben Rottweiler ein Gemüt wie ein buddhistischer Mönch auf Baldrian.
Ben weiß: Für alles, was nicht Schnüffeln, Stöbern oder Markieren ist, hat er sein Personal. Mich.

 

Zurück zum gestrigen Spaziergang;

Wir wohnen keine zehn Meter Luftlinie von einem riesigen Waldgebiet entfernt. Zugegeben: Es wird abgeholzt, als gäbe es einen Wettbewerb „Wer schafft den Wald zuerst ab?“, aber ein bisschen Natur steht noch.


Da es keine gepflasterten Wege gibt, trifft man selten Menschen. Perfekt.


Wir können stundenlang durch den Matsch streifen und frische, kühle Waldluft atmen.

Zwischen den Waldstücken liegen große Felder, die man manchmal über winzige Trampelpfade überqueren muss, um zum nächsten Waldgebiet zu kommen. Auch dort: kaum Menschen. Eher Rehe. Über die ich mich freue — und Ben nicht mal hinschaut.

 

Doch siehe da: Am Feldrand eine ältere Frau.
Sie kommt auf uns zu, fragt nach dem Weg, findet Ben toll (Ben findet sie… nicht störend, was bei ihm schon Begeisterung ist).
Wir kommen ins Gespräch, sie bietet mir eine Zigarette an, und alle paar Minuten schwärmt sie von Ben. Alles friedlich. Bis ein Lieferwagen einer Sanitärfirma aufs Feld rollt.


Er stellt sich einfach mitten drauf, Beifahrertür geht auf, ein Bein erscheint, dann eine große Tüte eines bekannten Fastfood-Restaurants, gefolgt von einem XXL-Becher mit Strohhalm.

Die Dame geht hin, fragt höflich, ob man den Müll wirklich dort entsorgen müsse — und wird beschimpft. Charmant wie ein rostiger Nagel.

 

Ich versuche mein Glück.
Freundlich musste ich nicht sein, Männer, die eine alte Frau beleidigen, haben ihr Kontingent an Nettigkeit verspielt.

 

Kurzfassung:
Der Fahrer sammelt hektisch den Müll ein, Türen zu. Und jetzt denken einige sicher: „Ja, wegen dem Rotti.“


Nein!!!


Den Rottweiler hatte die Dame an der Leine, der war meterweit weg.
Ich selbst habe genug Präsenz, wer mich kennt, weiß das 😊

 

Und jetzt kommt der Höhepunkt

Wir stehen da: die alte Dame, Ben und ich. Wir rauchen. Reden über die schöne Landschaft.
Alles entspannt. Plötzlich geht die Beifahrertür wieder auf und der kleine fette Mann schreit:

Wir sollen SOFORT die Zigaretten ausmachen. Das sei Luftverschmutzung. Ob wir schon mal etwas von Mitrauchen gehört hätten. Wir wären „Feinde der Menschheit“.

 

Ich musste mich kurz sammeln, weil ich nicht wusste, ob ich lachen oder applaudieren soll.


Feinde der Menschheit? Auf einem Feld? Kilometerweit von jeder bewohnter Ortschaft entfernt? Aha!

 

Dann öffnen sich beide Türen gleichzeitig — und es fliegen:

  • zwei Fastfood-Tüten
  • zwei Becher
  • eine leere Zigarettenschachtel
  • zwei große Bierdosen
  • drei Schokoriegelpapiere

…einfach raus.


Frühjahrsputz im Lieferwagen, direkt aufs Feld. Und dann brausen sie davon. Nicht mit mir. Fotos gemacht. Nummernschild notiert. Anzeige erstattet.

 

Die Pointe

Wir Raucher, auf einem Feld, weit weg von allem, sind angeblich „Feinde der Menschheit“, weil wir rauchen. Aber die zwei, die ihren kompletten Müll auf ein Feld kippen, sind natürlich die Guten. Die Helden der Nachhaltigkeit. Die ungekrönten Könige der Kategorie „Ökologischer Fußabdruck.

 

Das Traurige:
Aus meiner Sicht glauben rund 80% dieser mentalen Einzeller wirklich, dass sie im Recht sind - egal was sie tun - sobald es um Raucher geht, denn Raucher sind BÖÖÖÖÖÖSE! :-)
Wahrscheinlich halten sie sich sogar für eine Art Umweltpolizei — nur eben ohne Uniform, ohne Moral und ohne funktionierendes Gehirn.


Eine Art „Müll-Jedi“, die den Planeten retten, indem sie ihn systematisch zumüllen.

 

Man möchte ihnen fast gratulieren: So viel Selbstgerechtigkeit bei so wenig Denkleistung ist schon eine sportliche Disziplin.


Goldmedaille im Synapsen-Slalom.

....und das sagt BeN DAZU.....  :-)

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